H. will sich ein Eigenheim schaffen. Da er nicht reich geerbt hat, fehlt ihm das Kapital dazu. Er wendet sich an ein Bankinstitut seines Vertrauens um Kredit zu erhalten. Das besagte Bankinstitut gewährt H. einen Kredit von EUR 300000,-. Damit ihm dieser Kredit gewährt wird, muss er jedoch Sicherheiten bieten. Diese sind der Baugrund und das Haus, welches vorerst noch gar nicht gebaut ist.
Nehmen wir nun an, H. ist ein fleißiger Mensch, die Wirtschaftslage ist ihm gnädig und er schafft es tatsächlich durch harte (Lohn-) Arbeit den Kredit von EUR 300000,- (plus Zinsen) in 20 Jahren abzuzahlen.
Wenn wir nun die Leistung der Bank und die Leistung des Häuslbauers H. gegenüberstellen, dann fällt auf, dass es hier ein auffallendes Missverhältnis gibt. Die Bank schrieb eine Zahl auf ein Konto, eventuell machte sie noch die eine oder andere Buchung von diesem Konto auf andere Konten (bspw. die Konten von Baustofflieferanten), aber das war es dann im Großen und Ganzen. Klingt nicht besonders anstrengend – oder? Ob da jemand ins Schwitzen gekommen ist, als er die paar Buchungen machte? Wohl kaum. Was aber ist mit Häuslbauer H.? Er musste 20 Jahre hart arbeiten! "Auffallendes Missverhältnis" ist in der Angelegenheit wohl noch eine Untertreibung. Das Gesetz drückt sich sehr deutlich zu dieser Art von Ausbeutung aus.

Denken wir jedoch ein Wenig über einen anderen Ausgang der Geschichte nach. Nehmen wir an, Häuslbauer H. ist das Glück nicht hold. Er wird arbeitslos oder erleidet gar einen Unfall, der ihn arbeitsunfähig macht, so dass er letztendlich den Kredit nicht abzahlen kann. Was passiert dann? Nun, das ist bekannt: die Bank wird alle seine Sicherheiten einkassieren.
Nehmen wir an, das besagte Bankinstitut hätte eine Kapitalausstattung von 10% gehabt, das heißt von den aufs Kreditkonto geschriebenen EUR 300000,- hatte die Bank überhaupt jemals nur EUR 30000,-. Die restlichen EUR 270000,- hat sie nie gehabt sondern nur erfunden (im Fachjargon wird das "Bilanzverlängerung" genannt). Und dafür kassiert sie nun alles ein, wofür Häuslbauer H. bereits jahrelang hart gearbeitet hat.
Man stelle sich das vor: Solange H. wenigstens EUR 30000,- abzahlt, entsteht niemandem ein Schaden. Kein Sparer würde um sein Geld umfallen. Unglaublich? Vielleicht. Aber so funktioniert das Bankgeschäft.

Prof. Dr. Franz Hörmann drückt es in einem Interview im Standard so aus: "Wenn man Geld aus Luft erfindet und das, was vorher noch nicht existiert hat, verzinst weitergibt und dinglich absichern lässt, dann ist das, wenn das Geschäftsmodell schief geht, in Wahrheit ein Enteignungsmodell. Das ist auch der Hintergrund des Bankgeheimnisses. Banken können überhaupt nicht offenlegen, wo beispielsweise die Zinsen für Sparbücher, Bausparverträge oder Sonstiges herkommen. Denn wenn sie das täten, müssten sie zugeben, dass das alles in Wirklichkeit verkettete Pyramidenspiele sind."